100-minus-Alter-Regel
Die 100-minus-Alter-Regel: Ziehe dein Alter von 100 ab — das Ergebnis ist deine Aktienquote in Prozent. Eine 35-jährige Person hielte demnach 65 % Aktien und 35 % sichere Anlagen; moderne Varianten rechnen mit 110 oder 120 minus Alter.
📐 Die Regel: Aktienquote = 100 − Alter
Rechenbeispiel
| Position | Wert |
|---|---|
| Alter 25 (100 − 25) | 75 % Aktien / 25 % Anleihen+Cash |
| Alter 40 | 60 % / 40 % |
| Alter 60 | 40 % / 60 % |
| Variante 120 − Alter (Alter 40) | 80 % Aktien |
Warum die Regel funktioniert
Sie kodiert ein richtiges Prinzip in eine merkbare Formel: Je kürzer der Anlagehorizont, desto weniger Zeit bleibt, Börseneinbrüche auszusitzen — also sinkt die Aktienquote mit dem Alter. Für Einsteiger verhindert sie die zwei klassischen Fehler: mit 30 alles auf dem Sparkonto (Inflationsverlust) oder mit 63 voll in Aktien vor dem Kapitalbezug (Crash-Risiko im dümmsten Moment). Als Startpunkt für die Asset-Allokation ist sie besser als keine Regel — und besser als Bauchgefühl.
Wo die Regel bricht
Das Alter ist ein schwacher Stellvertreter für das, was wirklich zählt: Horizont, Risikotragfähigkeit und Nerven. Eine 60-jährige Schweizerin mit sicherer PK-Rente und AHV kann ihr freies Depot oft aggressiver anlegen als ein 35-jähriger Selbständiger ohne zweite Säule — ihre Renten sind faktisch eine riesige «Anleihenposition». Im Tiefzins-Franken-Umfeld ist zudem der sichere Teil das Problem: CHF-Obligationen rentieren mager, weshalb moderne Regeln (110/120 minus Alter) die Aktienquote strukturell höher setzen. Die Regel ist ein Startpunkt, dein Rebalancing-Plan und deine Crash-Toleranz sind die eigentliche Strategie.
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Zählt die Pensionskasse zum sicheren Teil?
Konzeptionell ja — PK-Guthaben verhält sich wie eine grosse, sichere Position. Wer das mitrechnet, darf im freien Depot deutlich mehr Aktien halten, als die Regel nahelegt.
Gilt die Regel auch für die Säule 3a?
Die 3a hat per Definition einen langen Horizont — dort sind hohe Aktienquoten (75–100 % in jungen Jahren) über günstige 3a-Apps meist sinnvoller, als die Alters-Formel es vorgibt. 5–10 Jahre vor Bezug schrittweise reduzieren.
Wie oft passe ich die Quote an?
Einmal jährlich reicht: Quote prüfen, mit der 5-Prozent-Band-Regel rebalancieren, fertig. Häufiger schadet eher (Kosten, Aktionismus) als es nützt.
Leutrim Miftaraj
Gründer · Innopulse Consulting GmbH
Unternehmer und Finanzbildungs-Enthusiast. Gründer von BudgetHub und dem Budgetwissen-Netzwerk. Ziel: Schweizer Finanzwissen verständlich machen — für alle.
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